SOCIAL YEAR in Walvis Bay

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  • Romy Gros

Victoria Falls, ASC-Turnier und Abschiednehmen

Hallo Du,


Tatsächlich ist es soweit, dass ich mich wieder aus Deutschland melde. Ich hatte jetzt schon über einen Monat, um mich wieder einzuleben, aber ich muss sagen, das wird ein längerer Prozess.


Die letzten Wochen in Namibia waren sehr intensiv und von Emotionen geprägt.

Der Juli begann mit dem lang ersehnten Trip zu den Victoria Falls. Sophia, Paul, Justus und Ich machten uns zu viert auf den Weg und hatten unseren ersten Stopp in Katima Mulilu, einer Stadt ganz im Norden Namibias. Dort wurden wir von dem Bruder eines Arbeitskollegen von Justus herzlich in Empfang genommen. Dieser hat sich unglaublicherweise (ohne uns zu kennen) dazu bereit erklärt, uns bei sich übernachten zu lassen. Wir wurden wie schon lang nicht mehr gesehene Freunde begrüßt. Diese Gastfreundlichkeit war wirklich unbeschreiblich. Von dort aus wollten wir am nächsten Morgen schauen, wie wir zu den Victoria Falls kommen, da wir mit unserem Mietauto nicht über die Grenze fahren durften. Die Shuttle-Services waren alle so teuer, dass uns Effort ( der, bei dem wir geschlafen haben) schlussendlich angeboten hat, mit uns zu kommen und uns zu fahren. Wie genial ist das denn bitte?!?



So ging unsere Reise schlussendlich zu fünft weiter. Der Weg zu den Victoria Falls führte uns nicht nur durch ganz Namibia, sondern auch durch Botswana und Zimbabwe. Wir hatten es recht eilig, da wir die Startnummern für den Halbmarathon, den wir am nächsten Tag dort rennen wollten, bis zu einer bestimmten Zeit abholen mussten. Deshalb konnten wir die Natur der verschiedenen Länder noch gar nicht richtig genießen. Aber eins war eindeutig: Es ist so schön grün da oben!

Kaum sind wir angekommen, galt es schon die letzten Wettkampfvorbereitungen zu treffen. Wir hatten eine riesige Pastaparty auf unserem Zeltplatz und gingen schon früh ins Bett, um die nötigen Kräfte zu sammeln.


Der Halbmarathon war ein unbeschreibliches Erlebnis. Ich habe noch nie so viele sportliche Menschen auf einem Haufen gesehen. Geschweige denn bin ich an solch einem großen Wettkampf gestartet. Sophia, Paul und Ich sind das komplette Rennen miteinander gerannt. Ich muss zugeben, ohne die beiden, hätte ich wahrscheinlich nicht so gut abgeliefert. Aber darum ging es in erster Linie ja auch nicht. Wir waren alle so überwältigt von dem Lauf. Die Location direkt an einem der Naturweltwunder war wirklich unbeschreiblich. Mein Highlight war, als an einem Punkt, an dem die Kraft echt geringer wurde, plötzlich ein Elefant aus dem Gebüsch kam und wir direkt daran vorbei gejoggt sind. Im selben Augenblick hat ein anderer Läufer angefangen "Shosholoza" zu singen, ein echt schönes südafrikanisches Lied. Das hat wirklich nochmal einen Motivationsschub gegeben. Auch das Rennen über die Brücke, die die Grenze zwischen Zambia und Zimbabwe bildet, war einzigartig. Für Justus, Sophia und mich war das das erste Mal, dass wir die Victoria Falls gesehen haben und ich muss wirklich sagen, es ist überwältigend.

Im Ziel angekommen war die Freude groß. Es wurde getanzt, Fotos gemacht, gegessen, bevor wir wirklich erschöpft zum Campingplatz zurückgekehrt sind. Wieder gestärkt mit simbabwischem traditionellem Essen ging es später von einer After-Party zur nächsten. Was für ein besonderer Tag!



Bevor es am nächsten Tag schon wieder nach Katima ging, haben Sophia und Ich die Zeit genutzt, den Nationalpark der Victoria Falls nochmal genauer unter die Lupe zu nehmen. Ich hab mich wirklich gefühlt wie im Paradies. Nur die kleinen Äffchen konnten doch sehr frech werden.



Wieder in Namibia sind wir alle direkt tot ins Bett gefallen. Früh morgens machten wir uns auf den Weg nach Windhoek, um Sophia abzuliefern und kamen dann am nächsten Tag (Mittwoch) wohlbehalten zu Hause an.


Für mich gab es allerdings nicht viel Zeit zum ausruhen. Das nächste Wochenende stand ja schon wieder vor der Tür. Und für mich hieß es ab nach Windhoek, allerdings mit meinem ganzen U13 Girls Team! Maike, Konrad und Ich haben ein "ASC-Turnier" am Damm geplant, da wir alle Mädels in ähnlichem Alter trainieren. Meine und Maikes Mädels kannten sich ja zum Teil schon von dem Freundschaftsspiel in Walvis Bay, dementsprechend war die Freude beim Wiedersehen riesig. Was mir persönlich am besten gefallen hat, ist, dass wir dieses Mal auch neben dem Fußballfeld viel Zeit miteinander verbringen konnten. Egal ob Perlenketten basteln, gemeinsam tanzen, oder kochen, wir hatten unglaublich viel Spaß.



Auch das Turnier selbst war ein voller Erfolg. Die Teams waren sehr motiviert und konnten sich nicht nur gegenseitig beweisen, sondern auch im Spiel gegen uns Freiwillige eine neue Herausforderung annehmen.



Erst nachdem die Sonne untergegangen ist, sind wir zusammen wieder zurück an den Damm gegangen, um dort den Tag ausklingen zu lassen. Lange schlafen konnten wir alle nicht. Die Eenhana Girls sind mitten in der Nacht wieder in Norden gefahren und wir haben die frühen Morgenstunden genutzt, um alles aufzuräumen, bevor es zurück nach Hause ging.


Wieder in Walvis Bay angekommen, ging es nun wirklich auf die Zielgerade zu. Die letzten Unterrichtswochen standen vor der Tür, wir konnten jede einzelne Klasse nochmal intensiv genießen.



Auch nachmittags hatte ich meine letzten Trainingseinheiten mit meinen Mädels. Während der Examenzeit durften wir nämlich leider kein Training mehr machen.

Sogar die U13 Liga wurde wegen der Examen unterbrochen, deswegen war ich umso stolzer, dass meine Mädels nochmal gewonnen haben!

Um dem ganzen Jahr noch einen gebührenden Abschied zu geben, haben Desire und ich ein letztes Turnier für alle Mädels organisiert, die mit uns zusammen trainiert haben. Insgesamt sind über 100 U13 und U11 Kids gekommen, die jeweils in 5er Teams gegeneinander antreten konnten.



Für mich war dieser Tag etwas ganz Besonderes. Jede einzelne Spielerin hat alles gegeben, die Stimmung war großartig. Ich konnte gar nicht realisieren, dass es sich hier um ein Abschiedsturnier handelt. Noch lange nachdem das Turnier fertig waren, saßen wir zusammen auf dem Fußballfeld, haben rumgealbert, viel gelacht und noch viel mehr Erinnerungsfotos geschossen. Dieser Tag sollte einfach nicht vorbeigehen.


Wie Du merkst fangen nun wirklich die ganzen letzten Male an. So auch am Wochenende:

Das letzte Mal Squash mit Chelsea und Derik, mit anschließender Feier im Squashclub. Am nächsten Morgen stand für mich der letzte 10km Lauf an, ein Fundraising-Rennen, dass ich stolz als Dritte abschließen durfte. Leider habe ich mich dabei mit meinem Knie übernommen und hatte so Schmerzen, dass ich das letzte Mal Segeln ausfallen lassen musste.


Den Samstag habe ich mit Steven (einem anderen Coach) und seiner Familie verbracht.



Am Sonntag ging es dann (zum Glück noch nicht das letzte Mal) in die Kirche, danach wurde ich von Freunden nach Kuisebmund zum Grillen eingeladen. Bis spät in die Nacht waren wir mit der ganzen Nachbarschaft noch wach und hatten im Hof unsere ganz eigene Party.

Die Woche darauf ging die Examenzeit und somit unsere letzte komplette Woche los. Für Fyn und Mich hat das bedeutet, jeden Tag die Schule mit administrativen Aufgaben zu unterstützen. Sei es Noten eintragen, Bücher sortieren, Examen zu beaufsichtigen, oder Lehrer bei anderen Kleinigkeiten zu unterstützen.

Da wir in der Schule waren konnten wir wenigstens im Vorübergehen die Kids noch sehen, somit mussten wir uns auch noch nicht komplett verabschieden.


Nachmittags habe ich die Zeit genutzt, um mit möglichst vielen Menschen noch möglichst viel Zeit zu verbringen. Ich wollte gar nicht wahrhaben, manche Freunde nicht mehr sehen zu können, so hab ich mich nie ganz verabschiedet, in dem Gedanken diese nochmal zu sehen, bevor ich gehe.

Obwohl mein Knie noch nicht ganz gesund war, bin ich auch noch so oft es ging ins Leichtathletik gegangen-einfach aus Prinzip. Einer der Athleten geht jetzt mit dem ASC Göttingen (meiner Organisation) für ein Jahr nach Deutschland! Für uns gab es eine kleine Abschiedsfeier, mit Eis und wunderschönem Ausblick auf die Lagune.



Meine Devise war, möglichst wenig zu Hause sein, möglichst wenig schlafen, das kann ich auch in Deutschland wieder. An packen war gar nicht zu denken.

Am Mittwoch wurden wir von unserem stellvertretenden Schulleiter zum Abendessen eingeladen, am Donnerstag war dann letztes Mal Hauskreis. Und das war der Punkt,an dem ich das erste Mal gemerkt habe, "Scheiße, mein Jahr ist jetzt echt zu Ende."


Unser letztes Wochenende haben Fyn und Ich genutzt, um ein letztes Mal ins Mugg&Bean (unser Stammcafé) zu gehen, um zu packen und um eine kleine Abschiedsfeier zu schmeißen. Wir haben die Zeit mit unseren engsten Freunden echt genießen können.

Am Sonntag musste ich mich nun auch von meiner Gemeinde verabschieden, die mir über das Jahr wirklich auch ein Stück Heimat gegeben hat.

Abends wurden wir von Ulla noch zu einem Braai eingeladen, um unsere Zeit als Küstencrew noch mit einem unglaublich leckeren Kudu-Steak zu besiegeln. Typisch Namibia eben.


Und nun stand der letzte Tag u-in Walvis Bay an. Es wurden alle Schüler versammelt, um sich von uns zu verabschieden. Als ich vor dieser riesigen Menge an Schülern stand, wurde mir erneut bewusst wie stolz ich auf jede einzelne Person bin, die entweder im Sportunterricht, oder im Fußballtraining sich so unglaublich weiter entwickelt hat.


Der Abschied war sehr emotional, doch der Tag war prall gefüllt mit weiteren Abschieden und wurde gekrönt mit einem letzten Abendessen bei meiner zweiten Familie, der Familie von Belinda, meiner Coachin.


An Schlaf war diese Nacht nicht zu denken. Am nächsten Morgen wurden wir um viertel vor sechs von einem Shuttle abgeholt, das uns nach Windhoek gefahren hat. Dort haben wir alle anderen Freiwilligen getroffen. Niemand von uns konnte so richtig fassen, dass es unser letzter Tag in diesem wunderschönen Land ist. Alle zusammen sind wir am Abend nochmal um die Häuser gezogen, um uns und unser geniales Jahr zu feiern.


Von dort an ging alles viel zu schnell. Netflix (ein Kumpel von uns) hat uns mit seinem Shuttle zum Flughafen gefahren, im nächsten Moment saßen wir schon im Flieger nach Deutschland.

Und hier bin ich jetzt seit 5 Wochen. Unglaublich.



Doch eins weiß ich sicher: Das wird nicht mein letztes Mal Namibia gewesen sein!


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Zurückblickend kann ich nur dankbar über dieses einzigartige Jahr sein. Ich weiß gar nicht wo ich anfangen soll...


Ich bin dankbar für jede einzelne Freundschaft, die ich in Namibia schließen durfte. Egal wann ich wieder nach Namibia komme, ich weiß es gibt Menschen, die dort sind und warten.


Ich bin dankbar für jeden Schüler und jede Schülerin der !Nara Primary School, für jedes Mädchen, dass sich entschieden hat, in mein Fußballtraining zu kommen. Ich kann gar nicht oft genug wiederholen, wie stolz ich auf jede Einzelne bin. Ohne die Kids hätte mein Jahr den eigentlichen Sinn verloren.


Ich bin dankbar für alle, mit denen ich zusammen gearbeitet habe. Mein Kollegium in der Schule und auch die Mitarbeiter von Playtime haben mich zu jeder Zeit mit meinen Ideen und Entscheidungen unterstützt, ohne dieser Unterstützung weiß ich nicht, ob ich das Jahr so gemeistert hätte.


Ich bin dankbar für meinen Hauskreis, durch den mein Glaube an Gott noch mehr wachsen konnte, durch die ich aber auch so ein Stückchen Heimat geschenkt bekommen habe.


Ich bin dankbar für die ganzen anderen Freiwilligen, die sich mit mir in das Abenteuer Namibia gestürzt haben. Jeder von uns hat seine ganz eigenen Erfahrungen sammeln dürfen, trotzdem haben wir auch viel zusammen erleben können. Außerdem hatte man immer jemanden, der in einer ähnlichen Situation war, wenn man zum Beispiel doch mal Heimweh hatte, das war Gold wert. Es haben sich Freundschaften fürs Leben gebildet, wenn ihr das ließt: Danke für alles!


In dem Zuge möchte ich meinem Projektpartner Fyn ganz besonders danken, für den allzeitigen Support, für unglaublich lustige Momente, aber auch für ehrliche Gespräche.


Ich bin dankbar, dass mir der ASC Göttingen, meine Entsender-Organisation, dieses Jahr ermöglicht hat. Nach Namibia zu gehen, war für mich mit Abstand die beste Entscheidung, die ich hätte treffen können, aber ohne eure Unterstützung und euer Vertrauen wäre es nie so weit gekommen.

Danke auch an Ulla, unsere Ansprechpartnerin vor Ort. Zu wissen, dass im Notfall immer jemand da ist, hilft echt viel.


Nun auch ein großes Danke an DICH, als treuer Leser meines Blogs. Ich hoffe, ich konnte dich durch meine Einträge mitnehmen und dir einen ausgiebigen Einblick in meinen Freiwilligendienst geben.

Ein extra Dankeschön auch an jeden Sponsor, der mich entweder mit einem Geldbetrag, oder einer Sachspende unterstützt hat. Ohne Dich wäre mein Jahr so nicht möglich gewesen.


Und zu guter Letzt danke ich Gott, der mich das ganze Jahr geleitet hat und an meiner Seite war.


Nun zum letzten Mal: Much Love & Be Blessed

Romy





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